Browsing Category

Designer

Der Meister der extravaganten Coolness

15. September 2016

pughillu2

Wer kreative, extravagante Modekunst sucht, kommt an diesem Mann nicht vorbei: Gareth Pugh!

Er ist der Meister der extravaganten Coolness. Seine Designs stehen ganz in der Tradition einer Vivienne Westwood oder eines Alexander McQueen. Alle 3 haben nicht nur ihre britische Heimat, sondern auch ihren Hang zu Exzentrik und eine unglaubliche Kreativität gemeinsam. Und sie verstehen Mode nicht nur als reine Kleidung, sondern auch als Kunstform. Sie geben Mode eine große Bühne und zeigen gleichzeitig wie präzise sie ihr Handwerk beherrschen.

pughillu4

 

Ich weiß gar nicht woran das liegt, aber das ist nun schon mein 3. Beitrag über einen britischen Designer. Das war gar nicht meine Absicht. Keine Ahnung, ob es an der Stadt London selbst liegt oder am britischen Klima, aber ich finde London ist schon ein ganz besonderes Plätzchen, wenn es um Kreativität geht. Ich selbst hab (irgendwann in der Steinzeit) meine Ausbildung zum Make up Artist in London absolviert und kann bis heute nicht ganz greifen was das besondere Flair ist, das immer wieder so wahnsinnig kreative und exzentrische Menschen hervorbringt wie eben Gareth Pugh. Die Stadt ist dreckig, laut, ein einziger lebender Culturclash zwischen Menschen aus verschiedene Ländern und unterschiedlichen sozialen Schichten. Und obwohl ich keine Stadt kenne, in der mindestens genauso viele konservative Menschen leben wie Exzentriker, hat London wie keine andere Stadt eine besondere Liebe entwickelt für Mode und Modekunst. Genauso wie für seine lange Tradition äußerst präziser Handwerkskunst. Die Kombination aus beidem ist halt unschlagbar.

 

pughillu6

 

Vor einigen Jahren beschäftigte ich mich ausführlich mit dem Thema Fashionfilm, das für mich als Make up Artist einen besonderen Reiz ausübte. Ja, ich geb’s zu, ich wollte selbst so einen Film produzieren, scheiterte aber an der Umsetzung. Auf jeden stieß ich bei meinen Recherchen sehr schnell auf Gareth Pugh, von dem ich vorher noch nichts gehört hatte. Wie auch? Pugh arbeitete sich erst vor einigen Jahren ganz langsam in die Modeszene vor. Er produzierte Perfomances, ganz in der Tradition des legendären Leigh Bowery, experimentierte viel mit verschiedenen Materialien wie Plastik und Metall und machte erst mal die Redaktion von „Dazed & Confused“ auf sich aufmerksam, die Pugh in einem Feature präsentierte. Daraufhin wurde er 2005 eingeladen in einer Group-Show seine Mode zu zeigen. Ohne Team und mit noch weniger Geld hatte er 4 Wochen Zeit eine Kollektion auf die Beine zu stellen. Mit seinem Talent machte er sogar Anna Wintour auf sich aufmerksam. Bereits 2006 zeigte er seine erste Solo-Show bei der Londoner Fashion Week.

pughillu3

Immer wieder widmet er sich dem Thema Modeinszenierung, reizt visuelle Grenzen aus und spielt mit Materialien und Silhouetten. Die Optik und visuelle Umsetzung seiner Mode in Fashionfilmen inspiriert mich immer wieder. Mit verschiedenen Regisseuren setzt er seine Mode immer wieder neu in Szene. In der Make-up-Ikone Alex Box findet er eine kongeniale Partnerin, die genau Pughs Stil entspricht.
Seine Farbpalette ist reduziert auf Schwarz und Weiß. Manchmal schleicht sich auch ein plakatives Rot oder Blau in seine Kollektionen. Er spielt mit den Kontrasten und setzt diese bewusst ein, um ein ständiges Spiel mit Licht und Schatten zu inszenieren. Obwohl ich Mode mit einer derart reduzierten Farbpalette normalerweise, ich sag’s ehrlich, als „stinkfad“ empfinde, ist das bei Gareth Pugh anders. Er setzt diese beiden Farben äußerst kunstvoll ein, sie sind immer extrem plakativ. Große schwarze oder weiße Farbflächen, manchmal miteinander verbunden, werden von Pugh in ganz präzise Schnitte und Silhouetten umgewandelt. In Pugh’s modischem Repertoire ist kein Platz für Muster. Blockstreifen oder große Sterne, wie aus der heurigen Kollektion, sind das Äußerste der Gefühle. Aber das ist kein Mangel, sondern eben die Kunst mit wenig sehr effektvoll umzugehen.

pughillu5

Gareth Pugh‘ s Schnitte sind rasiermesserscharf, fast futuristisch. Er kann Anleihen an André Courréges‘ legendäre Weltraummode aus den 1960er Jahren nicht verleugnen, ebenso klingen Paco Rabannes Stilelemente aus Metall durch. Ganz unverhohlen greift er auch auf die Looks eines Klaus Nomi zurück, der Wegweiser für die ausufernden Silhouetten der 1980er Jahre war.
In seinen letzten Kollektionen kann man eine Entwicklung Pugh’s zu einer tragbareren Mode erkennen, ohne seine typische Handschrift zu verlieren. Seine Mode ist kreativ, aber durch seine reduzierte Sprache unglaublich cool.

Für mich ist er eben der absolute Meister der Coolness!

pughillu7pughillu8pughillu1pughillu2